Jahresbericht
Die SFS Group erzielte in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld eine stabile Entwicklung. Mit einem Umsatz von CHF 3’090.8 Mio. und einer EBIT-Marge von 11.7% wurden die gesteckten finanziellen Ziele erreicht. Die hohen Investitionen zur Realisierung von Wachstumsprojekten erweisen sich als wertvoll und zielgerichtet. Im Bereich der Nachhaltigkeit konnte SFS weitere wichtige Fortschritte verzeichnen und ist hinsichtlich der Zielsetzungen in den Bereichen Aus- und Weiterbildung sowie Reduktion der CO2-Emissionen auf Kurs.
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre
Geopolitische und makroökonomische Entwicklungen übten im Jahr 2023 einen starken Einfluss auf unsere Tätigkeit aus. Einhergehend trübten sich wichtige wirtschaftliche Frühindikatoren im Verlaufe des Jahres merklich ein. Erschwerend kam hinzu, dass viele Kunden als Folge der Normalisierung der Lieferketten nach den COVID-bedingten Verwerfungen ihre Lagerbestände abbauten. Der Geschäftsgang der letzten zwölf Monate spiegelt dies durch uneinheitliche Resultate in den verschiedenen Endmärkten wider.
Das Handelsgeschäft mit Werkzeugen für Kunden in der industriellen Fertigung erzielte dennoch, und ungeachtet der in der zweiten Jahreshälfte abnehmenden Dynamik, ein starkes Ergebnis. In der Bauindustrie führten eine nachlassende Nachfrage sowie kundenseitig hohe Lagerbestände zu einer flachen Entwicklung gegenüber dem Vorjahr. Unsere Kunden in der Elektro- und Elektronikindustrie, die hauptsächlich in Asien ansässig sind, fokussierten sich das ganze Jahr hindurch auf den Abbau der hohen Lagerbestände und reduzierten die Auftragsvolumen teilweise deutlich. Die saisonal bedingten Produkthochläufe im zweiten Semester waren davon erfreulicherweise wenig betroffen. Das Geschäft in der Automobilindustrie verzeichnete ein gutes Wachstum. Infolge der fortwährenden Aufwertung des Schweizer Frankens waren unsere Schweizer Produktionswerke jedoch massiv gefordert, um mit produktivitätssteigernden Massnahmen die weitere Erosion ihrer Ertragskraft zu verhindern.
Die breite Abstützung in Bezug auf Endmärkte und Regionen ermöglichte der SFS Group dennoch ein solides Resultat. Die beträchtlichen Investitionen zur Realisierung von Wachstumsprojekten stellten sich als wirksam und nachhaltig, die weitergeführte Integration und Zusammenarbeit mit der Division D&L International als sehr positiv heraus.
Im Geschäftsjahr 2023 konnte SFS ein robustes organisches Umsatzwachstum von 2.1% erreichen. Der Umsatz mit Dritten (Umsatz) stieg insgesamt um 12.6% auf CHF 3’090.8 Mio. Konsolidierungseffekte aus der am 1. Mai 2022 vollzogenen Einbindung von Hoffmann trugen 14.6% zur Umsatzsteigerung bei. Starke Währungseffekte bremsten die Entwicklung mit –4.1%. Auf vergleichbarer Basis betrug das Umsatzwachstum im ersten Halbjahr 0.8% und im zweiten Halbjahr 3.2% gegenüber der jeweiligen Vergleichsperiode des Vorjahres.
Konsolidierungs- und Mixeffekte aus der am 1. Mai 2022 vollzogenen Einbindung von Hoffmann, die uneinheitliche Auslastung der Produktionskapazitäten im Segment Engineered Components, die inflationsbedingt teilweise erhöhte Kostenbasis und die ungebrochene Aufwertung des Schweizer Frankens wirkten sich auf den Ertrag aus. Der Betriebserfolg (EBIT) lag in der Berichtsperiode bei CHF 358.6 Mio. (Vj. CHF 330.3 Mio) und die resultierende EBIT-Marge bei 11.7% (Vj. 12.1%). Der Konzerngewinn entspricht mit CHF 268.5 Mio. (Vj. CHF 270.6 Mio.) 8.7% des Nettoumsatzes. Die SFS Group erzielte im Geschäftsjahr 2023 einen Operating Free Cash Flow von CHF 139.4 Mio. (Vj. CHF 116.9 Mio.).
Das Ergebnis je Aktie (EPS) von 6.84 (Vj. 6.95) wurde von Steuereffekten belastet. Die Eigenkapitalquote liegt zum Abschluss des Berichtsjahres bei 54.0%.
Die mit dem Wachstum einhergehenden Investitionen in Gebäude, Anlagen sowie Hard- und Software betrugen in der Berichtsperiode CHF 174.0 Mio. (Vj. CHF 171.0 Mio.). Treiber waren die Ausrüstung des neuen Produktionsgebäudes in Heerbrugg (Schweiz), der Ausbau der Produktionsplattform in Nantong (China), der nach Plan voranschreitende ERP-Generationenwechsel zu S/4HANA und das starke Engagement im Bereich Cybersecurity.
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung lagen bei CHF 60.8 Mio. (Vj. CHF 53.1 Mio.) und wurden vollumfänglich der Erfolgsrechnung belastet.
In den drei Bereichen der Nachhaltigkeit – Environment, Social und Governance (ESG) – gelangen SFS im Berichtsjahr wichtige Fortschritte.
Im vergangenen Jahr reduzierte die SFS Group ihre Emissionen in Scope 1 und 2 um −7.6% und ist damit ihrem Ziel, die direkten Emissionen im Vergleich zur Wertschöpfung bis 2030 um ≥90% zu verringern, einen weiteren Schritt nähergekommen. Die Datengrundlage der Scope-3-Emissionen wurde weiter verbessert. Um ihren Emissionsreduktionszielen mehr Nachdruck zu verleihen, verpflichtete sich SFS zur «Science Based Targets initiative» (SBTi) und unterstützt damit die Pariser Klimaziele. Aufgrund der allgemeinen Energielage wurde der Strommix in der Schweiz mit Strom aus Kernenergie ergänzt. Dadurch sank der Anteil an erneuerbarer Elektrizität auf 40.0% (Vj. 49.7%). Der Anteil an selbst produzierter erneuerbarer Energie wurde im Berichtsjahr mit der Installation neuer Photovoltaikanlagen in China und der Schweiz weiter ausgebaut. Mit systematischen Lieferanten-Assessments zu ökologischen und sozialen Kriterien verbessert SFS die Transparenz in ihrer Lieferkette.
Die Anzahl Unfälle pro Mio. Arbeitsstunden blieb mit 4.0 auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr, wies aber eine uneinheitliche Entwicklung in den einzelnen Segmenten auf: Während die Segmente Engineered Components und Fastening Systems gute Fortschritte in Bezug auf die Unfallrate erzielten, stieg sie im Segment D&L an. Was das Thema «Aus- und Weiterbildung» betrifft, so ist SFS von ihrem hohen Stellenwert und ihrer Bedeutung für die Wirtschaft und die Gesellschaft überzeugt. Die langfristige Zielsetzung, dass sich 5–7% der festangestellten Mitarbeitenden weltweit in dualen Aus- und Weiterbildungsprogrammen befinden, bestätigte die SFS Group mit 5.1% (Vj. 5.4%) im Jahr 2023. Das Thema «Diversität und Chancengleichheit» steht bei SFS ebenfalls im Fokus. Die angestrebten Fortschritte einer verbesserten Datenbasis konnten im Berichtsjahr allerdings nur bedingt umgesetzt werden. Im laufenden Geschäftsjahr gehen wir dieses Thema gezielt an.
Die SFS Group ist ihren Sorgfaltspflichten im Berichtsjahr nachgekommen. Wir haben keine Kenntnisse über begangene Menschenrechtsverletzungen, die im Einflussbereich des Unternehmens lagen. Dies schliesst ebenfalls das Thema Kinderarbeit ein. Die Ergebnisse der zwei durchgeführten Compliance-Audits fielen positiv aus und dokumentieren die wirksame Implementierung des Verhaltenskodex. Im Berichtsjahr gab es erneut keine bestätigten Korruptionsfälle.
Das Segment Engineered Components wusste den saisonalen Hochlauf von Komponenten für den Anwendungsbereich Mobile Devices im zweiten Halbjahr 2023 zu nutzen und steigerte das Resultat aus dem ersten Halbjahr. Die Nachfrage in den weiteren Endmärkten des Segments zeigte sich unterjährig insgesamt unverändert. Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und fortwährende Stärkung des Schweizer Frankens stellten die Schweizer Standorte vor grosse Herausforderungen hinsichtlich ihrer Profitabilität, welchen mit umfangreichen Massnahmenpaketen begegnet wird. Das Segment erwirtschaftete einen Umsatz von CHF 987.7 Mio. (Vj. CHF 1’028.2 Mio.). Der Betriebserfolg (EBIT) lag bei CHF 104.2 Mio. und resultierte in einer EBIT-Marge von 10.5% (Vj. 14.1%).
Fastening Systems erzielte ein im Vergleich zum Vorjahr reduziertes Ergebnis. Das Segment war im Verlauf des Geschäftsjahres von einem abgeschwächten Marktumfeld mit teilweise hohen Lagerbeständen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg betroffen. In den USA baute die Division Construction ihre Marktpräsenz mit drei zusätzlichen Vertriebsstandorten aus. Das Segment erwirtschaftete einen Umsatz von CHF 615.3 Mio. (Vj. CHF 644.9 Mio.). Der Betriebserfolg (EBIT) betrug CHF 93.1 Mio. und führte zu einer EBIT-Marge von 14.9% (Vj. 17.7%).
Das Segment Distribution & Logistics durchlief im Geschäftsjahr 2023 eine beeindruckende Entwicklung. Nach einem starken ersten Semester trübte sich die Marktnachfrage im Jahresverlauf ein. Der daraus resultierende Rückgang an Bestellungen wurde durch die hohen Auftragsbestände teilweise kompensiert. Die beiden Divisionen pflegten weiterhin einen engen Austausch und profitierten von der operativen und strategischen Zusammenarbeit. Das Segment erwirtschaftete einen Umsatz von CHF 1’487.8 Mio.(Vj. CHF 1’073.0 Mio.). Der Betriebserfolg (EBIT) belief sich auf CHF 164.0 Mio. und drückte sich in einer EBIT-Marge von 11.1% (Vj. 7.4%) aus.
Um einen starken Kundenfokus zu gewährleisten, Cross-Selling-Potenziale und operative sowie anwendungsorientierte Synergien verstärkt zu nutzen, wurden die bisherigen Divisionen Automotive und Industrial mit den jeweils endmarktspezifischen Geschäftsbereichen der Division Riveting ergänzt. Die organisatorische Umsetzung erfolgte per 1. Januar 2024. Entsprechend werden im Segment EC zukünftig die Resultate der vormaligen Division Riveting mitabgebildet. Die Wachstums- und Profitabilitätsziele der Segmente EC und FS bleiben bestehen.
Zur besseren Nutzung der Potenziale im Technologiebereich zwischen den Divisionen Industrial und Medical wurden die beiden Divisionen ab 1. Januar 2024 neu in der Division Medical & Industrial Specials zusammengefasst.
Per 31. Dezember 2023 beschäftigte die SFS Group 13’198 Mitarbeitende (FTE, Vj. 13’282). Nach dem starken vorjährigen Wachstum aus der Transaktion mit Hoffmann entwickelte sich die Anzahl Mitarbeitende stabil.
Lagebericht_Potenzielle_Risiken_beurteilt
Die Konzernleitung und der Verwaltungsrat beurteilen regelmässig die wichtigsten Geschäftsrisiken der SFS Group. Mindestens einmal im Jahr wird eine umfassende Risikobeurteilung durchgeführt, in welcher die relevanten Risiken systematisch nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenspotenzial klassifiziert werden. Auch im Berichtsjahr wurden potenzielle Risiken und die Möglichkeiten zu deren Eingrenzung diskutiert. Der Fokus lag dabei auf der Abhängigkeit von der globalen Wirtschaftslage, Währungsschwankungen, geopolitischen Instabilitäten, dem Umgang mit den erhöhten Energie- und Rohstoffpreisen, Datenverlust und eingeschränkter Betriebstätigkeit aufgrund von Cyberattacken, Naturkatastrophen, Auswirkungen bei Nichterreichung gesetzter Nachhaltigkeitsziele sowie der Zunahme regulatorischer Anforderungen in den Bereichen Lieferketten und Steuern.
Per 1. Januar 2024 übernahm Urs Langenauer von Alfred Schneider die Leitung der Division Automotive. Verwaltungsrat und Konzernleitung bedanken sich bei Alfred Schneider für die weitsichtige Positionierung der Division Automotive und sein langjähriges, grosses Engagement für SFS. Alfred Schneider wird die SFS Group bis zu seiner Pensionierung am 31. Mai 2024 in ausgewählten Projekten weiter unterstützen.
Ebenso wurde per 1. Januar 2024 Thomas Jung die Verantwortung für die Division Construction von Arthur Blank übertragen. Mit der Ernennung zum Divisionsleiter ist Thomas Jung in die Konzernleitung eingetreten.
Arthur Blank ist neu verantwortlich für Corporate HR and Communications. Claude Stadler trat per Ende 2023 aus der Konzernleitung aus und übernahm die Verantwortung für die Beteiligungsholding seiner Familie. Er wird SFS weiterhin in ausgewählten externen Gremien vertreten und in verschiedenen Projekten unterstützen. Verwaltungsrat und Konzernleitung bedanken sich bei Claude Stadler für seine Loyalität und das langjährige, erfolgreiche Engagement im Bereich der Corporate Services und freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit.
Susanne Jung hat das Unternehmen im Herbst 2023 verlassen.
An der Generalversammlung vom 26. April 2023 haben die Aktionärinnen und Aktionäre Fabian Tschan in den Verwaltungsrat gewählt. Er löste im Rahmen einer durch die Familienaktionärinnen und -aktionäre langfristig geplanten Nachfolgeregelung Bettina Stadler ab.
Der Verwaltungsrat beantragt an der Generalversammlung 2024 die Zuwahl von Tanja Birner, Senior Vice President Global Sales & Marketing bei Siemens, als neues Mitglied. Aufgrund ihrer mehrjährigen Erfahrung in multidivisionalen, internationalen und börsenkotierten Industrieunternehmen erachtet der Verwaltungsrat die Zuwahl als eine wertvolle Ergänzung des Gremiums.
Die 31. Generalversammlung der SFS Group AG findet am 24. April 2024 im Sportzentrum Aegeten in Widnau (Schweiz) statt.
Neu bedarf die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Genehmigung durch die Generalversammlung.
Aufgrund der robusten Ertragslage beantragt der Verwaltungsrat die Ausschüttung einer Dividende von CHF 2.50 je Aktie (Vj. CHF 2.50).
Weitere Informationen folgen mit der Einladung, die im März 2024 versendet wird.
Weiterhin bleibt der Ausblick von erheblichen Unsicherheiten infolge von wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen geprägt. In diesem volatilen Umfeld, gepaart mit tiefer Visibilität, behalten die Sicherstellung des maximalen Kundenfokus, die Fortführung der Innovationsprojekte zur Realisierung des zukünftigen Wachstums sowie die Sicherstellung effizienter und profitabler Geschäftsprozesse höchste Priorität. Chancen und Möglichkeiten, welche die aktuellen Veränderungen mit sich bringen, will SFS frühzeitig erkennen und basierend auf der kommunizierten Mittelfrist-Guidance konsequent nutzen.
Für das Geschäftsjahr 2024 geht SFS von einer EBIT-Marge in etwa auf Vorjahresniveau aus.
Für den hervorragenden Einsatz unter den herausfordernden Rahmenbedingungen danken wir allen Mitarbeitenden herzlich. Wir erleben täglich grossen Einsatz, ausgesprochen starken Teamgeist und viel Innovationsfreude.
Unser Dank geht auch an unsere Kunden und weiteren Geschäftspartner. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit und das entgegengebrachte Vertrauen bilden die Basis für die gemeinsame Entwicklung von Lösungen, die nachhaltig Mehrwert generieren.
Unseren Aktionärinnen und Aktionären danken wir für ihr Vertrauen in SFS und die loyale Unterstützung, die unserem Unternehmen Stabilität verleiht.
Thomas Oetterli
Präsident des Verwaltungsrats
Jens Breu
CEO