Compliance und Sorgfaltspflichten
Verantwortung übernommen
Im Berichtsjahr gab es bei SFS erneut keine Compliance-Vorfälle, die zu Bussgeldern oder Gerichtsverfahren führten. Darüber hinaus liegen uns keine Kenntnisse über im Jahr 2024 begangene Menschenrechtsverletzungen vor, die im Einflussbereich des Unternehmens lagen. Dies schliesst auch das Thema Kinderarbeit ein. Der Verhaltenskodex, der für alle Mitarbeitenden gilt, wurde im Berichtsjahr aktualisiert und der seit 2024 verpflichtende Lieferantenkodex weiter ausgerollt. Die Ergebnisse des durchgeführten Compliance-Audits haben Schwachstellen identifiziert, die behoben wurden.
SFS bekennt sich zu nachhaltigem und verantwortungsvollem Wirtschaften gemäss den OECD-Leitlinien. Wir achten dabei auf die Interessen des Unternehmens, der Mitarbeitenden, der Gesellschaft und der Umwelt. Die Einhaltung der geltenden Gesetze und Vorschriften ist dabei selbstverständlich. Wir respektieren die kulturelle, soziale, politische und rechtliche Vielfalt und erwarten dies auch von unseren Geschäftspartnern und Lieferanten.
Unsere Leitlinien sind im aktualisierten SFS Verhaltenskodex, im Leitbild sowie im Verhaltenskodex für Lieferanten festgelegt. Diese umfassen unter anderem den Schutz der Menschenrechte und das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit nach den Definitionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). SFS toleriert keine Kinderarbeit und arbeitet nicht mit Partnern zusammen, die diese akzeptieren. Dazu bekennen wir uns ebenfalls in unserer Nachhaltigkeitsrichtlinie.
Verantwortung übernommen, Sorgfaltspflichten erfüllt
Durch Erfüllung unserer Sorgfaltspflichten schützen wir unsere Mitarbeitenden, schaffen attraktive Arbeitsplätze, übernehmen gesellschaftliche Verantwortung und sichern langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit. Als Unterzeichnerin des UN Global Compact bekennt sich SFS zur Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen. Das Risiko von Menschenrechtsverletzungen gilt es sowohl an den eigenen Standorten als auch innerhalb der gesamten Lieferkette zu verhindern respektive weitestgehend zu reduzieren. Deshalb binden wir menschenrechtliche Sorgfalt immer stärker in die Geschäftsprozesse ein und führen seit 2023 regelmässige Assessments mit unseren Lieferanten durch, die sowohl soziale als auch ökologische Kriterien beinhalten (siehe Beschaffung, Ergebnisse der konkreten Risikoanalyse).
Verhaltenskodex aktualisiert
Im Berichtsjahr hat die SFS Group ihren Verhaltenskodex überarbeitet und aktualisiert. Die neue Version ersetzt die bisherige Fassung aus dem Jahr 2015. Der Kodex richtet sich an alle Führungsorgane und Mitarbeitenden und ist entscheidend für die nachhaltige, positive Unternehmensentwicklung. Unser Leitbild beschreibt die Eckpfeiler unserer Unternehmenskultur: Partnerschaft, Engagement, Gemeinschaft, Erfolg und Veränderung. Beide Dokumente, in über zehn Sprachen übersetzt, sind allen Mitarbeitenden zugänglich. Sie bilden die Basis der Werte von SFS und sind konkrete Handlungsempfehlungen für unsere Value Creators.
Effektives Compliance-System implementiert
Um sicherzustellen, dass die Vorgaben des Verhaltenskodex eingehalten werden, hat SFS ein wirksames Compliance-System aufgebaut. Das System umfasst in der Umsetzung verschiedene Elemente, darunter Richtlinien, regelmässige Schulungen, Onboarding von neuen Mitarbeitenden, E-Learning-Kampagnen, periodische Newsletter, die Integration von Compliance-Fragen in interne Audits, die jährliche Berichterstattung zum Verhaltenskodex an den Verwaltungsrat und ein anonymes, externes Hinweisgebersystem für Mitarbeitende und externe Partner. Dieses besteht parallel zu den anderen Meldekanälen und ist sowohl intern als auch öffentlich zugänglich. Das Compliance-System konzentriert sich auf die folgenden acht Themenfelder:
- Antikorruption
- Aussenhandel-Compliance
- Datenschutz
- Informationssicherheit
- Insiderhandel
- Kartellrecht
- Menschenrechte
- Schutz der persönlichen Integrität
Im Berichtsjahr wurde das eLearning «Schutz der persönlichen Integrität» überarbeitet und neu ausgerollt. Ziel ist es, den Mitarbeitenden der SFS Group die Bedeutung respektvollen Umgangs und konkrete Verhaltensrichtlinien zu vermitteln. Dieses verpflichtende Training sorgt für ein einheitliches Bewusstsein zum Schutz der persönlichen Integrität im gesamten Unternehmen.
Lieferantenkodex seit 2024 verpflichtend
Mit der Einführung des Verhaltenskodex für Lieferanten Ende 2023 unterstreicht SFS die Bedeutung der Einhaltung von Vorschriften und sozialen Standards entlang der gesamten Lieferkette. Wir erwarten von unseren Lieferanten, dass sie im Einklang mit den Prinzipien dieses Kodex handeln, der auf den Grundsätzen des UN Global Compact und der ILO-Erklärung zu grundlegenden Arbeitsrechten basiert. Der Lieferantenverhaltenskodex erfüllt zudem die Anforderungen der verschiedenen Lieferkettensorgfaltspflicht-Gesetze in der EU und der Schweiz. Die Verträge mit unseren Vertriebspartnern wurden ebenfalls um entsprechende Inhalte ergänzt.
Compliance-Meldungen mit Sorgfalt geprüft
Im Berichtsjahr wurden 16 Compliance-Meldungen (Vj. 36) beim Group Compliance Officer und den lokalen Compliance-Verantwortlichen eingereicht. Nach sorgfältiger Prüfung wurden 14 Meldungen (Vj. 19) als Verstösse bestätigt und angemessene, korrigierende Massnahmen umgesetzt. Die gemeldeten Verstösse betrafen hauptsächlich nicht-ethisches Verhalten und andere Kodexverstösse. Keiner der Verstösse führte zu Rückstellungsbedarf, Bussen oder Gerichtsverfahren. Bis auf zwei pendente Fälle wurden alle Meldungen lokal oder mit Unterstützung des Group Compliance Officer untersucht und geeignete Massnahmen umgesetzt. Die Konsequenzen reichten je nach Schwere des Verstosses von arbeitsrechtlichen Abmahnungen bis zu Kündigungen. Die Entscheidungen über Sanktionen traf die bzw. der lokale Compliance Officer, in Abstimmung mit Fachstellen oder dem Group Compliance Officer. Im neuen anonymen Hinweisgebersystem gingen im Berichtsjahr keine Meldungen ein. Die Meldungen erfolgten über andere, interne Meldekanäle.
Durchgeführtes Compliance-Audit identifizierte Schwachstellen
Im Berichtsjahr führte SFS ein internes Compliance-Audit an einem Standort in Rumänien durch. Der Fokus lag auf dem Verhaltenskodex und den Meldewegen für Compliance-Verstösse. Das Audit ergab vereinzelte Lücken: einige Mitarbeitende kannten den Kodex nicht ausreichend und der Prozess zur Meldung von Interessenkonflikten war nicht ausreichend implementiert. Das lokale Management nahm die Empfehlungen zur Verbesserung auf und setzte entsprechende Massnahmen um. Interne Compliance-Audits werden als wirksames Instrument zur Identifizierung von Chancen und Risiken eingesetzt. Auch 2025 werden im Rahmen der Financial Audits weitere Compliance-Audits in verschiedenen Ländern durchgeführt. Die Ergebnisse fliessen in den jährlichen Compliance-Bericht an den Verwaltungsrat ein und tragen zur Weiterentwicklung des Compliance-Systems bei.
Erneut keine Korruptionsfälle im Berichtsjahr
Seit 2016 haben wir eine Antikorruptionsrichtlinie, die insbesondere exponierten Mitarbeitenden durch ein verpflichtendes E-Learning vermittelt wird. Im Berichtsjahr wurde diese Richtlinie zusätzlich neuen Führungskräften und Mitarbeitenden in den Bereichen Verkauf, Einkauf und Finanzen nähergebracht. Auch in unserer Nachhaltigkeitsrichtlinie nehmen wir eine klare Position zum Thema ein: «Wir sind nicht bestechlich und fordern und akzeptieren keine Geschenke oder Zahlungen. Wir unterlassen jegliche unlauteren Handlungen, mit denen wir Entscheidungen von Kunden, Lieferanten, Wettbewerbern oder Behörden beeinflussen könnten.» Alle Mitarbeitenden werden regelmässig durch anonymisierte Berichte über konkrete Fälle im quartalsweise erscheinenden Compliance-Newsletter sensibilisiert. Im Berichtsjahr gab es erneut keine bestätigten Korruptionsfälle.
ESG-Risikoanalyse aktualisiert
Im Jahr 2024 hat SFS basierend auf Erkenntnissen aus dem TCFD-Bericht und der doppelten Wesentlichkeitsanalyse ihre ESG-Risikoanalyse aktualisiert. Unsere Risikobewertung umfasst Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe, mit Klassifizierung anhand vordefinierter Grenzwerte. Substanzielle strategische oder finanzielle Risiken werden mit proaktivem Risikomanagement vermieden oder vermindert. Auch Chancen, die mit unseren strategischen Zielen übereinstimmen, werden aktiv genutzt und entsprechende Massnahmen eingeleitet. ESG-Risiken und -Chancen mit strategischen Auswirkungen, wie Energie- und Rohstoffpreisentwicklungen, Naturkatastrophen, Nichterreichung von Nachhaltigkeitszielen sowie steigende regulatorische Anforderungen sind in der Geschäftsrisikoanalyse integriert. Die Geschäftsrisiken für das aktuelle Berichtsjahr sind im Lagebericht zusammengefasst.
Dialog mit den Anspruchsgruppen fortgeführt
«Wir fördern Diskussionen und Dialoge» – dazu bekennen wir uns in unserer Nachhaltigkeitsrichtlinie. Um bei der Beurteilung kritischer Themen sowie möglicher Chancen und Risiken nicht nur die interne Sichtweise zu berücksichtigen, beziehen wir regelmässig externe Anspruchsgruppen mit ein. Wir bieten unseren Stakeholdern verschiedene Plattformen, um auch kritische Anliegen zu äussern und mit uns in den Dialog zu treten. Dazu gehören regelmässige Gespräche und Veranstaltungen für Kunden, Lieferanten, Investorinnen und Investoren sowie Analystinnen und Analysten. Zudem laden wir Medienschaffende zu unseren Konferenzen ein und beantworten ihre Anfragen zeitnah. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Themen, die 2024 in diesem Zusammenhang hervorgebracht wurden, und wie wir damit umgegangen sind:
Stakeholder: Einbezug in doppelte Materialitätsanalyse
Im Jahr 2024 führte SFS die doppelte Wesentlichkeitsanalyse gemäss den Vorgaben der ESRS durch. Hierfür wurden 131 Vertreterinnen und Vertreter aus relevanten Stakeholdergruppen zur Teilnahme an einer Umfrage eingeladen. 76 Stakeholder nahmen teil und bewerteten die potenziell relevanten Themen. Um die neuen wesentlichen Themen für SFS zu ermitteln, wurden die Umfrageergebnisse anschliessend in drei internen Workshops mit insgesamt 30 Teilnehmenden weiter analysiert und geschärft. Durch den Einbezug aller relevanten Stakeholdergruppen spiegeln diese Themen sowohl die unternehmensinterne Perspektive als auch die Erwartungen unserer externen Anspruchsgruppen wider. Die detaillierten Ergebnisse werden im Nachhaltigkeitsbericht 2025 vorgestellt.
Medien: Herausforderungen in der Automobilindustrie
Die europäische Automobilindustrie stand im Berichtsjahr vor grossen Herausforderungen, was auch Auswirkungen auf Schweizer Industrieunternehmen hatte. Verschiedene Medien berichteten über das Thema und baten SFS um Stellungnahme. Die Berichte porträtierten uns als ein Unternehmen, das verschiedene Geschäftsbereiche bedient und deshalb auf Schwankungen in einzelnen Branchen reagieren kann. Auch über die eingeführten Massnahmen von Ende Oktober 2023, um die Ertragskraft der Division Automotive in der Schweiz zu verbessern, wurde teilweise nochmals berichtet. Durch die Zusammenarbeit mit Medienschaffenden bemüht sich SFS um Transparenz und Vertrauen in der Öffentlichkeit.
Bevölkerung und Medien: geplante Windenergieanlage in Heerbrugg (Schweiz)
SFS veranstaltete im Jahr 2024 eine öffentliche Informationsveranstaltung, um über den Stand des Projekts «RhintlWind» zu berichten und die Resultate der Machbarkeitsstudie zu präsentieren. Die Resultate der Studie bestätigten die Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit der geplanten Windenergieanlage und wurden im Rahmen des zweiten Mitwirkungsverfahrens des Kantons St. Gallen veröffentlicht. Im August 2024 reichte die IG Gegenwind Au-Heerbrugg eine kommunale Initiative für einen Mindestabstand zwischen Windkraftanlagen und bewohnten Gebäuden ein. Am 9. Februar 2025 wurde die Initiative mit 50.1% Ja-Stimmen angenommen. Da wir den vorgeschriebenen Mindestabstand von 500 m am geplanten Standort nicht einhalten können, wurde das Projekt eingestellt.
Investorinnen und Investoren: negatives Corporate-Governance-Rating von ISS
In einem ESG-Rating von Institutional Shareholder Services (ISS) hat SFS beim «Governance Quality Score» neun von zehn Punkten erreicht, was einem hohen Governance-Risiko entspricht. Schlecht abgeschnitten hat SFS insbesondere bei der Unabhängigkeit und der Diversität des Verwaltungsrats sowie der Transparenz und Struktur des Vergütungssystems. SFS hat das Rating von ISS analysiert und die Bedenken zur Kenntnis genommen. Die Beurteilung der Corporate Governance ausschliesslich anhand von Standards, welche von Ratingagenturen definiert werden, ist nicht bei allen Aktionärsstrukturen zielführend. Im individuellen Austausch mit Investorinnen und Investoren haben wir die angesprochenen Punkte jeweils transparent thematisiert. Wir sind überzeugt, über einen unabhängigen Verwaltungsrat und ein angemessenes Vergütungssystem zu verfügen. An der kontinuierlichen Steigerung der Diversität in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung wird gearbeitet.
Wichtige externe Ratings im Fokus
SFS wurde im Jahr 2024 in folgenden externen Ratings bewertet bzw. hat an den folgenden Beurteilungen teilgenommen:
Rating/Fragebogen | Bewertung 2024 | Bewertung 2023 | Bewertung 2022 | Skala |
CDP (Klimafragebogen) | B | B | – | A bis F |
EcoVadis (ESG-Fragebogen) | Bronze (64/100) | Silber (63/100) | Bronze (54/100) | Platin bis Bronze |
Ethos | B+ | A- (51/100) | A- (60/100) | A+ bis C- |
Inrate, zRating | 66/100 | 69/100 | 67/100 | 100 bis 0 |
ISS | C- | D+ | D+ | A+ bis D- |
MSCI | A | AA | AA | AAA bis CCC |
SAQ 5.0 | B88 | B86 (Standort Heerbrugg, CH) | A bis D, 100 bis 0 | |
Sustainalytics | ESG-Risikostatus: hoch, 30.2 | ESG-Risikostatus: mittel, 26.3 | ESG-Risikostatus: mittel, 25.0 | vernachlässigbar bis schwerwiegend |
UN Global Compact | Aktiv | Aktiv | Aktiv | Aktiv – Inaktiv - Nicht mitteilend |